Die neue Dimension des Dopings

Wir wissen nicht erst seit diesem Jahr, dass Doping und Leistungssport zusammengehören wie der sprichwörtliche Topf auf den Deckel. Auch in Deutschland wurde (und wird wahrscheinlich) gedopt und auch hierzulande haben wir den ein oder anderen Skandal hinter und wahrscheinlich auch noch vor uns. Der Skandal, der in den letzten Monaten um das russische Dopingsystem entstanden ist, stellt den internationalen Kampf gegen das Doping aber vor ein ganz neues Problem.

Was ist passiert? Bereits vor einem Jahr wurde seitens der ARD-Dopingredaktion in Zusammenarbeit mit der britischen „Sunday Times“ auf anscheinend systematisches Doping in der Leichtathletik hingewiesen. Als Folge wurde im November 2015 der russische Leichtathletikverband suspendiert, in den kommenden Wochen soll über die Aufhebung der Suspendierung oder über den Ausschluss von Olympia entschieden werden. Als wäre dies nicht genug, wurden jetzt weitere Vergehen öffentlich – in einem noch größeren Ausmaß. Wie berichtet wird, habe Grigori Rodschenkov, ehemaliger Chef des russischen Doping-Kontrolllabors, öffentlich erklärt, dass es im Rahmen der Olympischen Spiele von Sotschi zu massiven Manipulationen an russischen Dopingproben gekommen sei.

Grundlage dieser Manipulationen sei ein staatliches Dopingsystem, dass er mitentwickelt habe. Wie er in einem Interview mit der New York Times bekanntgab, seien 15 Medaillengewinner in Sotschi gedopt gewesen – und wären mit Hilfe gefälschter Urinproben durch die Kontrollen gekommen. Ob Rodschenkow mit seinen Vorwürfen Recht hat, sollen weitere Untersuchungen zeigen. Er selbst bot dem IOC seine Mitarbeit an.

Sollten sich der Vorwurf bestätigen, dass seitens eines Staates systematisches Doping gefördert wird, dürfte als Folge eigentlich nur der Ausschluss dieser Nation von den nächsten großen Sportveranstaltungen sein. Und dabei muss es egal sein, ob es sich um Russland, die USA, Deutschland, Frankreich oder Großbritannien handelt.

Ob es dazu kommen wird, werden die nächsten Wochen zeigen. Geht es nach der Leiterin der deutschen Anti-Doping-Agentur NADA, Andrea Gotzmann, wäre alles andere als ein Ausschluss ein fatales Signal. Denn was der „Lerneffekt“ wäre, wenn man selbst bei massivem, staatlich unterstütztem Doping keine negativen Konsequenzen zu befürchten hätte, dürfte wohl klar sein.

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