Invicta FC-Kämpferin Livia von Plettenberg über Fleisch, Veganismus und MMA

Nachdem unser gestriger Artikel für einige Diskussionen gesorgt hat, bei der auch InvictaFC-Kämpferin Livia von Plettenberg aktiv teilnahm, haben wir die Chance genutzt und Livia über ihre Meinung zum Thema Vegetarismus/Veganismus und Profisportler befragt. Vielen Dank an dieser Stelle an Livia für die Bereitschaft doch recht kurzfristig dieses Interview mit uns zu machen. Jetzt aber viel Spaß beim Lesen!

Boxhaus: Hallo Livia, vor ein paar Wochen haben wir dich unseren Lesern im Boxhausblog ja bereits vorgestellt. Da wir in letzter Zeit ein paar Artikel zum Thema vegetarische oder vegane Ernährung veröffentlicht haben, die zu teils stark divergierenden Reaktionen geführt haben, wollten wir jetzt mal mit einer aktiven Sportlerin über das Thema sprechen. Die Wenigsten wissen, dass du Erfahrung in Mischkosternährung, Vegetarismus sowie Veganismus hast und alle drei Ernährungsformen über einen längeren Zeitraum gelebt hast. Nun werden ja die Wenigsten als Vegetarier oder Veganer geboren, wann hast du den „Weg“ zum Vegetarismus gefunden und warum?

Livia: Ich habe bereits im Alter von vier Jahren aufgehört Fleisch zu essen, da mir meine Mutter damals erklärte, dass Fleisch aus Tieren besteht und ich auf Grund meiner Tierliebe keine Lebewesen mehr verzehren wollte. War gar nicht so einfach, als einzige Vegetarierin in einer Familie von Fleischliebhabern aufzuwachsen. Im Laufe der Jahre habe ich meine Entscheidung immer wieder überdacht und bin jedes Mal zu dem Schluss gekommen, mich aus ethischen Gründen weiterhin vegetarisch zu ernähren.

Boxhaus: Einige Zeit später bist du schließlich zur Veganerin geworden, hast also keinerlei tierische Produkte mehr gegessen. Denkst du, dass der Vegetarismus meistens im Veganismus endet?

Livia: Ich denke, das kommt ganz auf die Hintergründe für den Vegetarismus an. Jemand der sich vegetarisch ernährt weil ihm Fleisch nicht schmeckt wird sicherlich nicht so leicht vegan wie jemand der die Ernährungsweise aus Überzeugung gewählt hat. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich viele Vegetarier mitreißen lassen, wenn sie einen Veganer kennen lernen. Ich bekam damals selbst oft zu hören, dass ich als Vegetarier Tierschutz nur halbherzig betreibe. Im Laufe der Zeit war ich auch der Überzeugung, dass ich, wenn ich mich aus ethischen Gründen vegetarisch ernähre, wenigstens versuchen muss, vegan zu leben, da alles andere heuchlerisch gewesen wäre.

Boxhaus: Heute bist du wieder „Fleischesserin“. Wie kam es dazu, dass du inzwischen doch wieder tierische Produkte isst?

Livia: „Wieder“ ist gut *lach*. Nachdem ich so früh aufgehört habe Fleisch zu essen, konnte ich mich meine gesamte Kindheit und Jugend nicht daran erinnern, wie Fleisch eigentlich schmeckt. Zwanzig Jahre ist eine lange Zeit, und hättest du mich vor zwei Jahren gefragt ob ich je Fleisch essen würde hätte ich dies wehement verneint. Allerdings war ich immer der Meinung, dass man auf die Bedürfnisse seines Körpers hören sollte. Mein Fleischhunger kam vor knapp 1 ½ Jahren recht plötzlich, und anfangs war ich mehr als irritiert. Einige Wochen zögerte ich das Bedürfnis Fleisch zu essen hinaus, bis ich mir letztendlich ein Stückchen Huhn gekauft und zubereitet hab. Es war zum einen eine sehr interessante Erfahrung, weil es ein ganz neuer Geschmack war, zum anderen kämpfte ich noch einige Zeit mit mir weil ich enttäuscht war, meine ethischen Vorstellungen einfach zu aufgegeben zu haben.
Den Veganismus habe ich vor 2 ½ Jahren aufgegeben, da fiel es mir allerdings nicht ganz so schwer, weil ich mich zu dem Zeitpunkt physisch nicht mehr gut fühlte. Ich habe mich damals sicherlich nicht ausreichend mit der Ernährungsweise und vorallem der notwendigen Supplementierung auseinander gesetzt, obwohl ich heute auch der Meinung bin, dass die künstliche Zufuhr von Nährstoffen nie zu bevorzugen ist.

Boxhaus: Wo siehst du die Vorteile der einzelnen Ernährungsformen? War der Vegetarimus/Veganismus für dich als Invicta FC-Kämpferin nicht mehr mit dem harten Training vereinbar?

Livia: Nun, Vegetarismus und Veganismus „zwingt“ die Menschen dazu, sich mit dem Thema Ernährung wenigstens in gewissen Maße auseinander zu setzen, daher denke ich, dass sich die Gesamtheit der Vegetarier/Veganer besser mit den Bedürfnissen des menschlichen Körpers auskennt als der typische Fleischesser. Allerdings sollte sich ein Sportler deutlich besser mit Ernährung auseinander setzen als eine Normalperson. Für einen Sportler war mein Wissen auch als Vegetarierin nicht ausreichend, intensiv habe ich mich eigentlich erst seit Beginn meines Fleischkonsums damit befasst.
Da ich mich bereits einige Jahre als Veganerin fehlernährt habe (keine Vitamin B12, Vitamin A, Omega-3-Fettsäuren Supplementierung, etc.) und ich auch meine gesamte Jugend weder Eier noch Milch sonderlich oft konsumiert habe, spürte ich die Auswirkungen des intensiven Trainings sehr schnell. Ich war erschöpft, habe täglich knapp 15 Stunden geschlafen und wurde depressiv. Die vegane Ernährungsweise ist tricky, da die Nährstoffe, die supplementiert werden müssen, eine lange Halbwertszeit haben und sich der Körper somit über akute Symptome hinweg schummelt. Wenn Symptome auftreten, kann es bereits zu ernsthaften Komplikationen kommen. Ich hatte das Glück, den B12 Mangel früh genug erkannt zu haben, so dass keine langfristigen Schäden entstanden sind. Allerdings war dann sofort klar, dass ich Tierprodukte wieder in meinen Ernährungsplan aufnehmen musste.
Der Vegetarismus wäre mit Sicherheit vereinbar gewesen, allerdings wollte ich meinem Körper das geben, wonach er verlangt hat, und das war nun einmal Fleisch. Ich konsumiere auch heute fast ausschließlich Fleisch, das ich selbst eingekauft und zubereitet habe. Ob Fleischkonsum förderlich ist hängt auch damit zusammen, was für ein Fleisch man isst. Ein Burger vom McDonalds wird einem sicherlich nicht beim Sport behilflich sein. Ich ernähre mich generell sehr ausgewogen, esse zu jeder Mahlzeit Gemüse und Obst und kaum verarbeitete Lebensmittel. Meiner Meinung nach ist die Ausgewogenheit der Ernährung wesentlich bedeutender als der Fleischkonsum.

Boxhaus: Während man als Vegetarier seinen Bedarf an essentiellen Nährstoffen noch weitestgehend problemlos decken kann, wird das Ganze als Veganer schon um einiges schwerer und komplizierter zu planen. Hier sei nur an Vitamin B12 erinnert, dass dann auf jeden Fall künstlich zugeführt werden muss. War das auch ein Grund, vom Veganismus Abstand zu nehmen?

Livia: Für mich schon. Auch wenn ich dafür bereits einige Male beschimpft wurde, und bei aller Tierliebe, mein persönliches Wohlbefinden steht für mich an erster Stelle.

Boxhaus: Frage: Würdest du eine Ernährungsform über die anderen stellen oder bist du der Meinung, dass jeder die für sich passende auswählen sollte?

Livia: Jeder sollte für sich die passende auswählen, allerdings lege ich jedem Sportler nahe sich intensiv mit seiner Ernährungsform und den Bedürfnissen seines Körpers auseinander zu setzen. Je mehr man auf Lebensmittel verzichtet umso mehr sollte man sich um passende Ersatzmöglichkeiten bemühen. Auch wenn ich auf Grund persönlicher Erfahrung dem Veganismus etwas kritischer gegenüber stehe als früher, führe ich meine damalige Mangelernährung größtenteils auf mein Fehlverhalten zurück. Vegetarismus steht mit Leistungssport keineswegs im Konflikt, beim Veganismus bin ich auf Dauer nicht davon überzeugt.

Boxhaus: Natürlich können wir dich ja nicht entlassen, bevor du uns noch ein paar Sätze zu deinem nächsten Kampf gesagt hast. Wie laufen die Vorbereitungen, bist du schon in den USA im Trainingslager?

Livia: Die Vorbereitungen laufen spitze, ich bin konditionell wieder top fit, mental bereit und konnte mich auch technisch seit meinem letzten Kampf deutlich verbessern. In wenigen Tagen geht es zu Team Quest, dann wird intensiv gerungen. Ich bin davon überzeugt, dass das Match-up mit Cassie Robb äußerst gut für mich ist und dass es ein super Kampf wird.

 Boxhaus bedankt sich bei Livia von Plettenberg und wünscht ihr alles Gute für den anstehenden Kampf im Juli.

 Livia: Danke!

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